Schenkelbruch

Abb.: Thieme Com­pli­ance GmbH

Erschienen bei Thieme Com­pli­ance GmbH, Am Weich­sel­gar­ten 30a, 91058 Erlan­gen, www.thieme-compliance.de

Was versteht man unter einem Schenkelbruch bzw. einer Schenkelhernie?

Der Leis­ten­bruch bzw. die Leis­ten­hernie, ist ein Eingewei­de­bruch, der im Bere­ich des Leis­tenkanals auftritt. Hier­bei dringt Bauch­fell, häu­fig mit Darmin­halt durch eine Schwach­stelle der Bauch­wand, die soge­nan­nte Bruch­p­forte und bildet dabei eine Ausstülpung, den soge­nan­nten Bruchsack.

Wodurch entsteht ein Schenkelbruch?

Der Leis­tenkanal ist von Geburt an mit ein­er kräfti­gen Wand aus Muskeln und Sehnen ver­stärkt und bildet die untere Begren­zung des Bauchraumes. Damit ist der Leis­tenkanal in der Lage, großen Druck­spitzen standzuhal­ten, wie sie beispiel­sweise beim Hus­ten, Niesen oder Anheben schw­er­er Gegen­stände auftreten. Auch starke kör­per­liche Anstren­gung oder eine Schwanger­schaft führen zu ein­er enor­men Druck­er­höhung im Bauchraum.

Beste­ht die Druck­er­höhung dauer­haft oder führt eine Bindegeweb­ss­chwäche zu ein­er Insta­bil­ität der Leis­ten­re­gion, so kön­nen Lück­en, soge­nan­nte Bruch­p­forten, in der Wand des Leis­tenkanals entste­hen, durch die der Bruch­sack hin­durchtreten kann. In diesen Fällen spricht man von einem erwor­be­nen Leistenbruch.

Der Bruch­sack selb­st beste­ht häu­fig aus ein­er äußeren Hülle, dem Bauch­fell oder Peri­toneum und enthält zumeist Fettgewebe oder Anteile vom Bauch­netz bis hin zu einzel­nen Darmschlingen.

Im Gegen­satz zum erwor­be­nen Leis­ten­bruch fällt der ange­borene Leis­ten­bruch bere­its im Säuglingsalter auf, s. unten.

Der Schenkel­bruch ist generell schmerzhafter als eine Leis­ten­bruch, da die Lücke nicht rund, son­dern schlitzför­mig ist, so daß sich der Bruch­sack oft unbe­merkt ein­klem­men kann.

Die klin­is­che Diag­nose ein­er Schenkel­h­ernie ist bei kleinen Brüchen nicht leicht zu stellen, da diese je nach Anatomie des Patien­ten schw­er oder gar nicht tast­bar sind, so daß manch­mal nur ein MRT sin­nvoll und hin­weis­gebend sein kann.

Oft kla­gen Patien­ten mit Schenkel­brüchen über dif­fuse, nicht lokalisier­bare, bren­nende Schmerzen in der Leis­ten- und Ober­schenkel­re­gion, die manch­mal auch in das Hüft­ge­lenk pro­jeziert werden.

Eine Schenkel­h­ernie, die wenig oder gar keine Beschw­er­den verur­sacht, ist grund­sät­zlich keine gefährliche Erkrankung.
Den­noch muss man als Betrof­fen­er wis­sen, dass sich ein ein­mal diag­nos­tiziert­er Schenkel­bruch nicht wieder spon­tan zurück­bilden kann. Ganz im Gegen­teil: im Laufe der Jahre wird sich ein beste­hen­der Bruch häu­fig weit­er ver­größern.

Sobald sich auch Darm­schlin­gen im Bruch­sack befind­en, kann es jed­er Zeit zu ein­er Abschnürung und Ein­klem­mung (Inkarz­er­a­tion) von Darmin­halt kom­men, was nicht nur schmerzhaft, son­dern auch lebens­bedrohlich ist. Denn die unmit­tel­bare Folge ist ein Dar­mver­schluss, der ohne Not­fall-Oper­a­tion zum Abster­ben von Dar­man­teilen führen würde.

Um diese schw­er­wiegende Kom­p­lika­tion zur ver­mei­den, wird grund­sät­zlich zur oper­a­tiv­en Ver­sorgung des Schenkel­bruch­es ger­at­en. Diese Oper­a­tion stellt heutzu­tage einen Rou­ti­nee­in­griff dar, der auf­grund seines niedri­gen OP-Risikos sehr gut als ambu­lante Oper­a­tion durchge­führt wer­den kann.

Dr. med. Sandra Moritz - Fachärztin für Chirurgie

Dr. med. Sandra Moritz

Fachärztin für Chirurgie

Chirurgie München
Chirur­gis­che Praxisklinik am Friedensen­gel
Prinzre­gen­ten­straße 74
81675 München

Wie wird ein Schenkelbruch diagnostiziert?

Für die Diag­nose eines größeren Schenkel­bruch­es ist die kör­per­liche Unter­suchung der Leis­ten­re­gion durch einen erfahre­nen Arzt in den meis­ten Fällen aus­re­ichend.

Beim Abtas­ten der Leis­ten­re­gion wird der Patient mehrmals aufge­fordert zu hus­ten, um den Druck im Bauchraum zu erhöhen und einen eventuell beste­hen­den Bruch­sack unter der Haut nach außen zu stülpen.

Ist die Schwellung bere­its ohne Hus­ten erkennbar, wird geprüft, ob sich der Bruch­sack manuell nach innen weg­drück­en lässt.
Bei kleineren Schenkel­brüchen oder Adi­posi­tas kann diese kör­per­liche Unter­suchung schwierig sein, so dass zusät­zlich eine Ultra­schal­lun­ter­suchung der Leis­ten­re­gion durchge­führt wird.

Möglicher­weise ist auch ein bildgeben­des Ver­fahren mit­tels MRT sinnvoll.

Fachärzte für All­ge­meinchirurgie
in München auf jame­da

Welche Operationsverfahren gibt es bei einer Schenkelbruch-OP?

Es gibt ver­schiedene Oper­a­tionsver­fahren, die bei ein­er Herniotomie, also dem Ver­schluss eines beste­hen­den Schenkel­bruch­es möglich sind.

Prinzip­iell unter­schei­det man zwis­chen den offe­nen, kon­ven­tionellen Ver­fahren (wie zum Beispiel Oper­a­tion nach Shouldice oder Licht­en­stein) und den endoskopis­chen, min­i­mal-inva­siv­en Ver­fahren (TAPP, TEP).

Welch­es dieser OP-Ver­fahren für Sie als Patient zum Ein­satz kom­men sollte, muss indi­vidu­ell entsch­ieden werden.

Fol­gt man den aktuellen inter­na­tionalen Leitlin­ien der „Euro­pean Her­nia Soci­ety“, soll­ten net­zfreie Oper­a­tionsver­fahren auf­grund der deut­lich zu hohen Rate an Wieder­hol­ungs­brüchen nur noch in Aus­nah­me­fällen angewen­det wer­den (nur bei Kindern mit ange­bore­nen Brüchen oder bei Erwach­se­nen, die eine Net­z­im­plan­ta­tion expliz­it ablehnen).

Bei den klas­sis­chen, offe­nen Oper­a­tionsver­fahren (offen­er Bruch­lück­en­ver­schluß) erfol­gt die Schenkel­bruch-Oper­a­tion über einen ca. 6 cm lan­gen Hautschnitt ober­halb des Leis­ten­ban­des, der kos­metisch nicht als störend emp­fun­den wird, da er später von der Unter­wäsche bedeckt ist. 

Das Prinzip der Oper­a­tion nach Shouldice beste­ht darin, den Bruch­sack zu ent­fer­nen bzw. in den Bauchraum zurück­zu­drän­gen und anschließend die Bruch­lücke mit kör­pereigen­em Gewebe zu ver­schließen. Dabei wird das Gewebe übere­inan­der gesteppt bzw. gedop­pelt und dadurch zusät­zlich verstärkt.

Der Vorteil dieses Ver­fahrens beste­ht darin, daß kein Fremd­ma­te­r­i­al ver­wen­det wird und die OP nach Shouldice prinzip­iell auch in örtlich­er Betäubung durchge­führt wer­den kann. Der wesentliche Nachteil dieser OP-Tech­nik liegt in den zu hohen Rezidi­vrat­en — was im daran liegt, dass ohne­hin schon qual­i­ta­tiv „schlecht­es und aus­gedün­ntes“ kör­pereigenes Gewebe für den Ver­schluss der Bruch­lücke ver­wen­det wird. Die 5‑Jahres-Rezidi­vrate, also der prozen­tuale Anteil der Patien­ten, die inner­halb von 5 Jahren nach der Oper­a­tion einen Wieder­hol­ungs­bruch entwick­eln wer­den, liegt bei der Oper­a­tion nach Shouldice je nach Studie zwis­chen 5 % und 15 %.

Deshalb wird dieses Ver­fahren in aller Regel nur noch für Kinder und junge Erwach­sene, die über sta­biles, kör­pereigenes Gewebe ver­fü­gen, empfohlen.

 

OP-Ver­fahren mit Net­zein­lage stellen heutzu­tage den „Gold­e­nen Stan­dard“ dar und entsprechen auch den aktuell­sten wis­senschaftlichen Empfehlun­gen der „Euro­pean Her­nia Soci­ety“.

Dabei sollte auf die Ver­wen­dung von sehr star­ren und volu­minösen Net­zen verzichtet wer­den. Diese sog. „schw­ergewichti­gen Net­ze“ haben in der Ver­gan­gen­heit bei schlanken Patien­ten auf­grund eines starken Fremd­kör­perge­fühls lei­der häu­fig zu Beschw­er­den geführt.

Heutzu­tage existieren qual­i­ta­tiv äußerst hochw­er­tige Net­ze, die sich nach der Implan­ta­tion im Kör­p­er zu 60% auflösen.

Das hat den Vorteil, dass das Netz vor allem beim sitzen­den Patien­ten nicht mehr spür­bar ist. Trotz­dem reicht die Ver­stärkung der Bauch­wand aus, um die ehe­ma­lige Bruch­lücke sich­er und dauer­haft zu ver­schließen, so dass das Risiko eines erneut auftre­tenden Bruch­es auf ein Min­i­mum reduziert wird.

Bei der Oper­a­tion nach Licht­en­stein han­delt es sich um ein mod­ernes Ver­fahren mit Net­z­im­plan­ta­tion und damit um das weltweit am häu­fig­sten durchge­führte Oper­a­tionsver­fahren bei einem Leis­ten­bruch mit ein­er her­vor­ra­gen­den Rezidi­vrate von unter 1 %.

Die Oper­a­tion nach Licht­en­stein ähnelt der Oper­a­tion nach Shouldice, da es sich auch um ein offenes OP-Ver­fahren han­delt, bei dem der Leis­ten­bruch über einen ca. 6 cm lan­gen Hautschnitt zurückge­drängt, und die Bruch­lücke anatomisch exakt ver­schlossen wird. Allerd­ings wird hier­bei zusät­zlich ein Kun­st­stoffnetz über die Bruch­lücke gelegt, um das geschwächte kör­pereigene Gewebe des Leis­tenkanals zu ver­stärken. Dadurch liegt die 5‑Jahres-Rezidi­vrate je nach Studie zwis­chen 0,1 % und 1 %.

Auch für dieses Oper­a­tionsver­fahren ist nicht zwin­gend eine Voll­narkose nötig, und die Oper­a­tion kann bei Bedarf in örtlich­er Betäubung durchge­führt wer­den. Dabei sind die von uns ver­wen­de­ten mod­er­nen Net­ze sehr leicht und damit sehr gut verträglich. Nach der Oper­a­tion muss auf das Heben schw­er­er Gegen­stände bzw. Bauch­muskel­train­ing für die Dauer von 8 Wochen verzichtet werden.

Die Oper­a­tion nach Pel­lici­er ist der Meth­ode nach Licht­en­stein sehr ähn­lich, bietet allerd­ings den großen Vorteil, daß das Netz noch eine Schicht tiefer zu liegen kommt, näm­lich direkt auf dem Bauch­fell.

Damit resul­tiert für den Patien­ten nach der Oper­a­tion eine sofor­tige, volle Belast­barkeit der Leis­ten­re­gion. Dabei ist dieses OP-Ver­fahren deut­lich schmerzärmer, da es mit wesentlich weniger Näht­en auskommt.

Min­i­ma­l­in­va­siv bedeutet, dass mehrere ca. 1 cm lange Hautschnitte im Bere­ich des Nabels und Mit­tel­bauch­es notwendig sind, um eine Mini-Kam­era und diverse Instru­mente in Schlüs­sel­lochtech­nik, also endoskopisch einzuführen.

Dabei kön­nen die Instru­mente entwed­er durch den Bauchraum einge­führt wer­den, dann sprechen Experten von ein­er TAPP (trans­ab­dominelle präperi­toneale  Patch­plas­tik). Bei der TEP Tech­nik (total extraperi­toneale Hernio­plas­tik) wird der Bauchraum nicht eröffnet, und die Instru­mente wer­den zwis­chen der Bauch­wand­musku­latur und dem Bauch­fell platziert.

In bei­den Fällen müssen Bauchraum bzw. die Bauchdeck­en mit Kohlen­diox­id aufge­blasen wer­den, um aus­re­ichend Sicht auf den Leis­ten­bruch zu ermöglichen. Nach­fol­gend wird bei bei­den Ver­fahren ein Kun­st­stoffnetz ein­gelegt.

Auf­grund ein­er deut­lich höheren Kom­p­lika­tion­srate (Gefahr von Nach­blu­tun­gen in den Bauchraum oder Ver­let­zun­gen des Darmes) wird die TAPP in der Regel nur im Rah­men eines sta­tionären Aufen­thaltes durchge­führt. Von Vorteil sind endoskopis­che Tech­niken bei bei­d­seit­ig vorhan­de­nen Leis­ten­brüchen. In diesem Fall ist nur eine Oper­a­tion erforderlich. 
 

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